Gegen das Vergessen


Eine Ausstellung mit Fotos von Luigi Toscano
09.– 26.11.2017 (am 09. Nov. ab 17:30 Uhr/ganztägig)

Eine in ihrer Form einzigartige Installation mit überlebensgroßen Porträtfotos! Sie wird nicht hinter verschlossenen Museumstüren, sondern an einem öffentlichen Ort, der Sophienkirche Berlin, präsentiert, wo sich Menschen in ihrem Alltag bewegen und begegnen. An den eindringlich die Passierenden anschauenden Gesichtern auf den riesigen Porträts kann niemand unberührt vorbeigehen. Die Überlebenden sind die Gesichter und Stimmen der Erinnerungskultur. Sie haben die Macht, Menschen zu erreichen und zu sensibilisieren – unabhängig von Alter, Herkunft oder Bildung.
Kleine Informationstafeln, eine App sowie ein Dokumentarfilm ergänzen die Ausstellung.

ERÖFFNUNG
Am 09. November 2017 um 17:30 Uhr wird die erste Ausstellung von GEGEN DAS VERGESSEN in Berlin an der Sophienkirche, Große Hamburger Str. 29–30, eröffnet. Dazu werden unter anderen die Überlebende Margot Friedlander, Berlins Kultursenator Dr. Klaus Lederer, der Finanzsenator Dr. Matthias Kollatz-Ahnen und der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann erwartet. An die Ausstellungseröffnung schließt sich eine Gedenkveranstaltung und ein stiller Gedenkzug durch die Nachbarschaft bis zur Stelle des jüdischen Altersheim an, das zur NS-Zeit als Sammelstelle für Deportationen missbraucht wurde und wo sich heute ein Denkmal befindet.

ÜBER DEN AUSSTELLUNGSORT
Die Große Hamburger Straße war früher umgangssprachlich wegen des guten nachbarschaftliches Verhältnisses zwischen evangelischen, katholischen und jüdischen Einrichtungen im Viertel auch als Toleranzstraße bekannt. 1714 schenkte die jüdische Gemeinde der evangelischen Sophienkirche ein Grundstück. Diese versprach, das „... Geschenk mit allem Dank [zu] acceptiren [...und] auch der hiesigen Judenschafft [...] allen guten Willen und nachbarl. Freundschafft stets genießen zu lassen.” In der Zeit des Nazi-Regimes jedoch wurde das jüdische Altersheim als Sammellager für Deportationen nach Auschwitz und Theresienstadt missbraucht. Zahlreiche Gedenkorte und „Stolpersteine“ erinnern heute an die ehemalige Vielfalt jüdischen Lebens. Seit 1989/90 gibt es wieder viele jüdische Einrichtungen rund um die Sophienkirche, wie das benachbarte Jüdische Gymnasium, das nicht nur von jüdischen Schülern besucht wird.

STATIONEN DER AUSSTELLUNG
Dies ist die fünfte internationale Station von GEGEN DAS VERGESSEN. In Berlin soll die Ausstellung nach der Sophienkirche ab Januar für drei Monate im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gezeigt werden, daraufhin in Stuttgart. Parallel dazu wird GEGEN DAS VERGESSEN zum Internationalen Holocaust-Gedenktag im Januar 2018 an den Vereinten Nationen in New York gezeigt werden. Außerdem wandert die Ausstellung schon seit einem Jahr in der Ukraine. Dort war sie erstmals im September 2016 unter Schirmherrschaft des damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Rahmen eines Staatsaktes zum Gedenken an die Massaker von Babyn Jar 1941 gezeigt worden.
Mehr Informationen finden Sie auch auf der Webseite: www.gdv-2015.de

MARGOT FRIEDLANDER
Die auf dem Foto abgebildete Überlebende Margot Friedlander wurde am 5. November 1921 in Berlin geboren. Eine Auswanderung der Familie war nicht möglich, 1942 wurden Margots Vater, später die Mutter und ihr jüngerer Bruder Ralph im KZ Auschwitz ermordet. Margot gelang es mit Unterstützung von 16 Helfern, einige Monate in Verstecken unterzukommen. Doch im Frühjahr 1944 wurde sie von so genannten Greifern verraten, verhaftet und nach Theresienstadt gebracht, wo sie ihren späteren Mann Adolf Friedlander traf. Beide überlebten den Holocaust, heirateten und wanderten 1946 in die USA aus. 2010 entschied sich Margot Friedlander nach mehreren vorangegangenen Besuchen, dauerhaft in ihre Geburtsstadt zurückzukehren. Sie spricht regelmäßig mit jungen Menschen über ihre Erfahrungen, denn „niemals darf so etwas wieder geschehen. Als Überlebende sehe ich das als meine Aufgabe.“ Für ihr Engagement wurde ihr 2011 das Bundesverdienstkreuz verliehen.

LUIGI TOSCANO
Der 45-jährige Fotograf und Filmemacher Luigi Toscano erlebte als Sohn italienischer Gastarbeiter seine Umwelt aus den verschiedensten Perspektiven seiner beruflichen Stationen. Der Mensch steht heute im Mittelpunkt seiner künstlerischen Arbeiten. Als Fotograf lässt er sich von Respekt und Demut leiten – zwei altmodisch klingende Tugenden, die ihn persönlich schon lange begleiten. Seit einigen Jahren fokussiert sich Toscano auf gesellschaftspolitische Themen, wie 2014 in der Fotoinstallation „Heimat Asyl“ mit Porträts von Flüchtlingen. Seit 2006 ist Luigi Toscano zudem als Filmemacher in Eigenregie tätig. Ende 2017 wird sein Dokumentarfilm GEGEN DAS VERGESSEN erscheinen.

DANK
Die Ausstellung in Berlin wäre nicht möglich gewesen ohne die Unterstützung vieler Personen und Institutionen. Folgenden Institutionen möchten wir besonders für ihre Unterstützung danken: DGB, GEW, ver.di, IGBCE, IG Metall, GASAG, Stiftung Erinnerung Verantwortung und Zukunft, Deutsche Pfandbriefbank, Evangelische Kirchengemeinde am Weinberg, Stiftung Denkmal, Haus der Wannseekonferenz.

Der Eintritt ist frei.
Zwischen dem 10. und dem 26.11.2017 bieten Volontäre des Hauses der Wannseekonferenz 30-minütige kostenlose Führungen in verschiedenen Sprachen an. Gruppen können sich unter gdvtours@gmail.com anmelden.

Große Hamburger Str. 29–30
10115 Berlin